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Mikro- und Nanoplastik reichert sich im Körper an

Lesen Sie, was Wissenschaftler zur Aufnahme von Mikro- und Nanoplastikpartikeln in Leber, Nieren und Gehirn herausgefunden haben.

Die zunehmende Umweltverschmutzung mit Mikro- und Nanoplastikpartikeln hat weitreichende Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen. Derzeit versuchen Forscher herauszufinden, wo und wie sich Mikroplastikpartikel im Körper anreichern und ob dies gesundheitliche Auswirkungen hat. Lesen Sie, was Wissenschaftler zur Aufnahme von Mikro- und Nanoplastikpartikeln in Leber, Nieren und Gehirn herausgefunden haben. 

Forscher analysierten 2016 und 2024 Gewebeproben von jeweils 20 bis 28 Verstorbenen Personen pro Organ und Jahrgang auf Mikroplastikpartikel (Größe: 0,001-0,5 mm) und Nanoplastikpartikel (Größe: < 1 µm), und zwar speziell in der Leber, in den Nieren und im Gehirn. Dazu wendeten sie moderne spektrometrische, spektroskopische sowie elektronenmikroskopische Methoden an. Zusätzlich haben sie Gehirnproben von Verstorbener mit Demenz untersucht. 

Ergebnisse:

In allen genannten Organen fanden sich Mikro- und Nanoplastikpartikel, vor allem im Gehirn. Dort stiegen die aktuellen Werte im Vergleich zu 2016 um ca. 50 Prozent an. Extrem hohe Konzentrationen fanden sich in Gehirnproben der Verstorbenen mit Demenz. Es handelt sich vorwiegend um Nanopartikel. Sie fanden sich vor allem in Gefäßwänden des Gehirns und in Immunzellen. In der Leber und den Nieren fanden sich hingegen vor allem die größeren Mikropartikel. 

Nach Auffassung der Forscher beweisen diese Resultate, dass der Mensch in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt Mikro- und Nanoplastikpartikeln ausgesetzt worden ist. Ob die Partikel krankmachende Effekte haben, lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten und ist bislang unklar. Die starke Anreicherung im Gehirn sowie die Assoziation mit Demenz muss jedoch sehr ernst genommen werden. So ist bekannt, dass Nanoplastikpartikel eine hohe Oberflächenreaktivität aufweisen und biologische Barrieren durchdringen können. Das könnte entzündliche Reaktionen auslösen. Die Forscher verweisen auf frühere Studien, wonach Mikroplastikpartikel auch in Verkalkungen der Halsschlagader nachgewiesen werden konnten. Diese Studien hatten einen Zusammenhang zwischen den Ablagerungen und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ergeben. 

Schlussfolgerung:  

Die Studie liefert den bislang umfassendsten Nachweis von Nano- und Mikroplastikpartikeln in menschlichem Hirngewebe. Dies unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Forschung, vor allem um zu klären, ob und wie dadurch die Funktion lebenswichtiger Organe beeinträchtigt wird und ob die Ablagerungen Mitverursacher von Krankheiten sein können, z.B. des Gehirns oder des Herz-Kreislauf-Systems. 

Transparenz: Daher beziehen wir unsere Infos

Nihart, A.J., Garcia, M.A., El Hayek, E. et al. Bioaccumulation of microplastics in decedent human brains. Nat Med (2025). https://doi.org/10.1038/s41591-024-03453-1

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz