Dass zuckergesüßte Getränke gesundheitsschädlich sind, ist vielfach nachgewiesen und gilt als gesichert. Aber wie verhält es sich mit Zucker in fester Nahrung, zum Beispiel in Süßigkeiten und Brotaufstrichen? Lesen Sie, wie sich gesüßte Nahrung auf Herz und Kreislauf auswirken und wie groß die Krankheitslast weltweit ist.
In Schweden sind nahezu 70.000 Menschen im Alter zwischen 45 und 83 Jahren per Fragebogen über ihren Zuckerkonsum befragt und ihre Erkrankungen über viele Jahre systematisch erhoben worden. Untersucht hatten die Forscher den Zusammenhang zu sieben Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems: Schlaganfälle wegen Minderdurchblutung des Gehirns (ischämisch) oder Schlaganfälle wegen Hirnblutungen (hämorrhagisch), Herzschwäche, Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Verengung der Hauptschlagader (Aortenstenose), Erweiterung der Hauptschlagader im Bauchraum (Bauchaortenaneurysma).
Ergebnisse:
Ein hoher Zuckerkonsum (>20 Prozent der Energieaufnahme) ist mit einem erhöhten Risiko für ischämischen Schlaganfall und für Bauchaortenaneurysma assoziiert. Das gilt besonders für jene, die häufig zuckergesüßte Getränke zu sich nehmen (>8 Portionen/Woche): Schlaganfälle, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Bauchaortenaneurysma kommen dann deutlich häufiger vor. Diese Ergebnisse hatten die Forscher erwartet.
Überraschend war jedoch, dass das für gesüßte Speisen wie Gebäck, Schokolade oder Eiscreme genau andersherum zu sein scheint: wer davon wenig isst, war verstärkt Herz-Kreislauf-gefährdet. Wer umgekehrt viel gesüßte Aufstriche wie Marmelade oder Honig zu sich nimmt, hat nach den Daten zwar ein verringertes Risiko für Herzschwäche und Aortenstenose. Allerdings, meinen die Forscher, könnte das etwas mit der schwedischen Fika-Tradition zu tun haben, dem gemütlichen Beisammensein mit Kaffee, Tee und etwas Süßem wie Zimtschnecken (Kanelbullar). Ein gutes Sozialleben hat bekanntlich gesundheitlich günstige Effekte.
Schlussfolgerung:
Die Assoziation von Zuckerzusätzen und den kardiovaskulären Erkrankungen scheint davon abzuhängen, aus welcher Quelle der Zucker stammt: Getränke oder Speisen. Besonders zuckergesüßte Getränke haben ungünstige Wirkungen. Zucker in festen Nahrungsmitteln scheint überraschenderweise mit einem erniedrigten Risiko verbunden zu sein. Einschränkend weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass selbstberichtete Ernährungsangaben oft fehlerbehaftet sind. Außerdem fehlen in der Studie Daten zur direkten Salzaufnahme – zu hoher Salzkonsum ist bekanntlich schädlich für Herz und Kreislauf.
Fazit:
Übermäßiger Zuckerkonsum ist zu vermeiden. Gegen gemütliches Zusammensein mit der Familie, mit Freunden oder Kollegen und einer süßen Kleinigkeit ist nichts einzuwenden.
Speziell mit den weltweiten Auswirkungen des Konsums gesüßter Getränke hat sich ein weiteres Forscherteam beschäftigt (2). Sie werteten eine globale Ernährungsdatenbank aus und berechneten die durch gesüßte Getränke verursachte Krankheitslast in 184 Ländern in den Jahren 1990 und 2020.
Ergebnisse:
Bis 2020 registrierten die Wissenschaftler 2,2 Millionen neue Typ-2-Diabetes-Fälle – fast jeder zehnte neue Erkrankungsfall war mit Süßgetränken assoziiert. Hinzu kommen 1,2 Millionen neue Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Der Genuss gesüßter Getränke führte im Beobachtungszeitraum zu 12,5 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren. Besonders junge Erwachsene (20-29 Jahre) sowie Männer sind gefährdet. Weltweit am meisten belastet mit Süßgetränke-assoziierten Erkrankungen sind Lateinamerika und die Karibik. In Subsahara-Afrika war der stärkste Anstieg dieser Erkrankungen zu verzeichnen.
Die Wissenschaftler fordern deshalb gezielte Präventionsmaßnahmen und gesundheitspolitische Interventionen, zum Beispiel die Besteuerung gesüßter Getränke. Zudem sollten zuckerhaltige Getränke entsprechend gekennzeichnet und die Werbung reguliert werden. In Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser von großer Bedeutung, besonders in ländlichen Regionen: dies könnte helfen, den Konsum gesüßter Getränke zu reduzieren.
Transparenz: Daher beziehen wir unsere Infos
- Janzi, S. et al. (2024): Added sugar intake and its associations with incidence of seven different cardiovascular diseases in 69,705 Swedish men and women. https://doi.org/10.3389/fpubh.2024.1452085
- Lara-Castor et al. (2024): Burdens of type 2 diabetes and cardiovascular disease attributable to sugar-sweetened beverages in 184 countries. https://www.nature.com/articles/s41591-024-03345-4
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.
